Willst du es dieses Jahr nochmal versuchen?

 

"Was machst du da?"

"Ich stelle den Schwibbogen auf."

"Du siehst aber nicht besonders glücklich dabei aus."

"Ja, ich habe diese Woche viel zu tun und eigentlich stresst es mich nur noch mehr zu dekorieren. Aber ich liebe es abends im Schein der Lichter zusitzen und mir ein Räucherkerzchen anzumachen. Ohne diese Sachen funktioniert das allerdings nicht."

"Da hast du wohl recht. Ich liebe das auch. Man sieht in der Dunkelheit immer irgendwo ein Licht blitzen und man kann richtig zur Ruhe kommen."

"Ruhe... ja, irgendwie schon. Man spürt die Ruhe auch mitten im Stress, aber du kennst mich, in meinem Kopf herrscht immer ein einziges Chaos. Tausend Pläne und nicht erledigt, ganz abgesehen davon, dass ich in den Adventswochenenden 3 Geburtstage, die Krippenspielproben, Weihnachtsfeiern, Jugendstunden usw. unterbringen muss. Und irgendjemand erwartet sowieso dann noch, dass ich etwas für ihn erledige oder bei einer Veranstaltung dabei bin oder was weiß ich. Das sind eigentlich alles Dinge, auf die ich mich freue, aber letztlich bin ich jetzt schon genervt davon und das kann´s doch nicht sein, oder?"

"Nein, so hatte ich das nicht geplant."

"Aber wie soll ich es denn verhindern, dass es dieses Jahr wieder so wird?"

"Du könntest darauf vertrauen, dass es gut wird. So als Anfang."

"Das tu ich sowieso, weil ich eh nicht mehr richtig durchsehe, was hier eigentlich noch passiert. Aber eigentlich will ich einfach nur mal ein Jahr erleben, in dem ich die Adventszeit mit meinem Herzen erlebe. Verstehst du, was ich meine?"

"Ja, sehr gut sogar. Leider leben viele meiner Freunde daran vorbei. Ich sehe das jedes Jahr auf´s Neue, obwohl ich sie ständig daran erinnere, dass unsere Vater für sie das größte Geschenk bereithält."

"Stimmt, daran erinnerst du mich auch pausenlos. Ich fühle mich deshalb manchmal richtig bescheuert. Du stehst direkt vor mir und erzählst von der geburt des Königs aller Könige und ich sag nur ´ach wie schön´ und mach dann weiter. Und dann ist Weihnachten und ich versuche diese super tiefsinnige Stimmung in einem Gottesdienst zu erzwingen. Dass das nicht klappt, ist ja kein großes Wunder. Ich hätte einfach die 4 Wochen vorher Stück für Stück lernen sollen, was Weihnachten für mich wirklich bedeutet, außerhalb der frommen Weisheiten. Dass du es noch nicht leid geworden bist, mir das jedes Jahr auf´s Neue zu erzählen!"

"Ich werde es niemals leid werden, dir davon zu erzählen. Ich liebe dich unglaublich sehr.Aus keinem anderen Grund kam ich hier her. Aber wie kannst du meine Liebe verstehen, wenn du schon den Anfang nicht verstehst? Ich weiß, es ist manchmal schwerer als es aussieht. Doch ich werde dir helfen, dass du mit deinem Herzen begreifst.

Willst du es dieses Jahr nochmal versuchen?"

 Lina

Lina Enghardt

ec:in Redaktion